Wie Ropes & Gray KI für Transaktionsprüfungen entwickelt
Die Kanzlei Ropes & Gray entwickelt gemeinsam mit OpenAI ein KI-Tool für Transaktionsprüfungen.

Bei Transaktionsprüfungen müssen juristische Teams große Mengen an Dokumenten unter hohem Zeitdruck durcharbeiten. Ropes & Gray setzte in der Rechtsbranche früh auf KI. Gemeinsam mit OpenAI entwickelt die Kanzlei nun ein eigenes KI-Tool, um mehr Unternehmen umfassendere Expertise bieten zu können.
„KI ist tatsächlich einer der wichtigsten Wege, wenn nicht sogar der einzige, um bei höherem Tempo die gleiche Qualität und Konsistenz in der Beratung zu gewährleisten.“
Vor dem Abschluss einer Übernahme muss die Käuferseite gründlich prüfen, ob die finanziellen und rechtlichen Angaben der Verkäuferseite zutreffen. Diese Transaktionsprüfung deckt Risiken und Verbindlichkeiten auf. Sie erfordert die Auswertung umfangreicher Daten, an der in der Regel ein ganzes juristisches Team arbeitet.
Von der Sichtung unzähliger Dokumente bis zur Analyse von Mustern: Ein Angebot kurzfristig vorzubereiten, kann mehrere Tage intensiver Arbeit erfordern. Damit die juristischen Teams ihre Mandantschaft schneller voranbringen können, hat Ropes & Gray gemeinsam mit OpenAI ein KI-Tool für Transaktionsprüfungen entwickelt.
„Es ermöglicht allen juristischen Fachkräften unserer Kanzlei, sich tatsächlich auf ihre eigentliche Aufgabe zu konzentrieren“, sagt Howard Glazer, Partner and Head of Practice AI bei Ropes & Gray. „Unsere Mandantschaft bezahlt uns nicht dafür, Verträge zu prüfen. Sie bezahlt uns dafür, auf Grundlage der Vertragsinhalte fundierte Einschätzungen abzugeben.“
Das neue KI-Tool übernimmt die Erstprüfung: Es durchsucht Tausende von Seiten, identifiziert relevante Dokumente und gruppiert sie automatisch nach Themen und Fragestellungen. Neben der Recherche erstellt das Tool Zusammenfassungen und einen fertigen Bericht im kanzleieigenen Format von Ropes & Gray. Es erfasst und kategorisiert die Inhalte eines Datenraums, um Geschäftsbeziehungen als Ganzes statt nur einzelne Dokumente prüfen zu können. Die juristischen Teams können die Gruppierung und Kategorisierung selbstverständlich kontrollieren, um sicherzustellen, dass nichts übersehen wurde.
Die bisherige Entwicklungsarbeit konzentrierte sich auf wesentliche Geschäftsverträge. In Arbeitssitzungen verglichen die juristischen Teams von Ropes & Gray Testergebnisse mit Prüfberichten, die Fachkräfte für abgeschlossene Transaktionen verfasst hatten. Anhand der Stärken und Schwächen der Entwürfe verfeinerten die Teams anschließend das Bewertungsraster und das Berichtsformat.
Ropes & Gray hat das Tool mit einer einheitlichen Abfrage und einem festen Ablauf konzipiert, der die Arbeitsschritte des Teams genau nachbildet: von ersten Prüfungen über Zusammenfassungen bis hin zu übergeordneten Prüfungen. Das Tool liefert der Kanzlei eine Erstprüfung von gleichbleibend hoher Qualität, vergleichbar mit der Arbeit einer fähigen juristischen Fachkraft mit geringer bis mittlerer Berufserfahrung.
„Unsere juristischen Teams müssen nach wie vor alles prüfen“, sagt Lichtenstein. „Denn hinter allem, was wir unserer Mandantschaft liefern, müssen wir zu 100 Prozent stehen können. Deshalb ist das Tool so gestaltet, dass unsere juristischen Teams Zwischenzusammenfassungen und Originaldokumente leicht überprüfen können.“ Da die Erstprüfung bereits erledigt ist, bleibt mehr Zeit, die Arbeit zu kontrollieren und zu verfeinern. So entsteht eine sorgfältiger ausgearbeitete abschließende Einschätzung.
Ropes & Gray hat öffentlich das Ziel formuliert, mit dem Tool einen detaillierten Prüfbericht zu einzelnen Fragestellungen innerhalb von Stunden statt Wochen zu erstellen.
Mit Werkzeugen wie dem eigenen Prüfungstool und GPT‑6 Astra konnte Ropes & Gray Probleme der Mandantschaft deutlich schneller lösen als zuvor.
Das Tool erfasst und kategorisiert die Inhalte eines Datenraums und gruppiert zusammengehörige Dokumente nach Themen und Fragestellungen.
Im Arbeitsablauf entstehen Zusammenfassungen und ein Bericht im Format von Ropes & Gray.
Juristische Teams prüfen Zwischenzusammenfassungen und Quelldokumente, bevor sie die Ergebnisse an die Mandantschaft weitergeben.
In Tests werden die erstellten Entwürfe mit juristisch verfassten Prüfberichten verglichen, um das Bewertungsraster und das Berichtsformat zu verfeinern.
Lichtenstein und Glazer teilen zwei Erkenntnisse aus ihrer Erfahrung mit KI.
Probiere KI für alles aus. Von der Suche nach eleganten Schuhen bis zum Vibe-Coding von Spielen für seine Kinder: Lichtenstein nutzt KI in allen Lebensbereichen. „Allein dadurch, dass ich KI für so viele verschiedene Dinge nutze, habe ich das Gefühl, viel darüber gelernt zu haben, was sie gut kann und wie man bessere Ergebnisse erzielt“, erklärt Lichtenstein. „Am meisten lernt man nicht dann, wenn alles gut läuft, sondern wenn man einen Fehler entdeckt und herauszufinden versucht, wie man ihn beheben kann. Dadurch wurde KI für mich von etwas, mit dem ich herumspielte, zu einem wirklich leistungsfähigen Werkzeug für den Beruf.“
Stelle die Mandantschaft an erste Stelle. Bei der Gestaltung von KI-Tools und Arbeitsabläufen betont Ropes & Gray, wie wichtig es ist, das oberste Ziel der Kanzlei im Blick zu behalten. „Die vielen Möglichkeiten sind spannend. Aber sie zählen nur, wenn wir lernen, KI richtig einzusetzen und sicherstellen, dass unsere Mandantschaft davon profitiert“, sagt Glazer. „Darauf konzentrieren wir uns: Wie können wir KI zum Nutzen unserer Mandantschaft einsetzen? Wenn uns das gelingt, wird auch alles andere gut laufen.“
Heute unterstützt KI Ropes & Gray bei rechtlichen Prüfungen. Glazer ist überzeugt, dass die nächste Entwicklungsstufe der KI helfen wird, eine gemeinsame Wissensbasis innerhalb der Kanzlei aufzubauen.
Ropes & Gray zählt 340 Personen auf Partnerebene und 1.500 juristische Fachkräfte. Die Kanzlei sieht großes Potenzial darin, das Wissen jeder einzelnen Person zugänglich zu machen, von Mandatsgesprächen bis zu früheren Projekten, um Probleme der Mandantschaft besser zu lösen.
„Dabei geht es nicht nur darum, Zeit zu sparen. Auch nicht nur darum, Geld zu sparen“, sagt Glazer. „Es geht darum, mit KI-Tools unmittelbar Mehrwert zu schaffen. Und das ist einfach beeindruckend.“


