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OpenAI

1. Februar 2026

Sicherheit

Silver Lining Playbook: Vermutlich aus China gesteuerte Aktivitäten zielen auf Personen aus den USA

OpenAI sperrte vermutlich aus China stammende Konten, die mit KI zu Personen aus den USA, Standorten und Social-Engineering-Taktiken recherchierten.

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Diese Fallstudie erschien ursprünglich im Bericht von OpenAI vom Februar 2026⁠(wird in einem neuen Fenster geöffnet) über die Unterbindung böswilliger KI-Nutzung.

Verantwortliche

Wir haben eine kleine Gruppe von ChatGPT‑Konten gesperrt, die vermutlich aus China stammten. Über diese Konten wurden unsere Modelle genutzt, um Informationen über Personen aus den USA, Foren und Standorte von US-Bundesgebäuden sowie Anleitungen zu Face-Swapping-Software abzufragen. Außerdem wurden englischsprachige E-Mails generiert, die Social-Engineering-Versuchen ähnelten. Die Verantwortlichen schrieben Prompts auf Chinesisch, waren überwiegend während der Geschäftszeiten in Festlandchina aktiv und griffen über VPNs auf unsere Plattform zu.

Über die Konten wurden E-Mail-Entwürfe generiert, die angeblich von Beschäftigten eines Unternehmens namens „Nimbus Hub Consulting“ mit Sitz in Hongkong stammten. Die Prompts an unsere Modelle waren jedoch in vereinfachten chinesischen Schriftzeichen verfasst, wie sie üblicherweise in Festlandchina verwendet werden, und nicht in den in Hongkong üblichen traditionellen Schriftzeichen. Das deutet darauf hin, dass die tatsächlich Verantwortlichen in Festlandchina ansässig waren. Über ein Konto wurde außerdem eine E-Mail generiert, die angeblich von einer Person im Namen einer PR-Organisation mit Sitz in Shanghai stammte. Diese Organisation fördert den wirtschaftlichen und kulturellen Austausch zwischen den USA und Shanghai. In Anlehnung an das Wort „Nimbus“ im Unternehmensnamen, das eine Regenwolke oder einen Heiligenschein bezeichnet, nannten wir diese Operation „Silver Lining Playbook“.

Screenshots von LinkedIn-Profilen mit Verbindung zu Nimbus Hub Consulting.

Screenshots von LinkedIn-Profilen mit Verbindung zu Nimbus Hub Consulting. Einige der LinkedIn-Profile entsprachen Personen, die auf der Seite „Unser Team“ von Nimbus Hub Consulting aufgeführt waren.

Vorgehensweise

Über die Konten wurden englischsprachige E-Mail-Entwürfe generiert, die sich an Amtspersonen auf Ebene der US-Bundesstaaten oder an Fachleute für politische Analysen im Wirtschafts- und Finanzbereich richteten. Die Nachrichten schienen die angeschriebenen Personen zu bezahlten Beratungsgesprächen einzuladen. Dabei sollten sie laut Beschreibung politische Entwicklungen einordnen und der Kundschaft strategische Beratung bieten. Die Verantwortlichen verlangten knappe, klare und professionelle E-Mail-Entwürfe mit Betreffzeilen, die Dringlichkeit vermittelten und subtile psychologische Signale nutzten.

Darüber hinaus wurden unsere Modelle über die ChatGPT‑Konten zur allgemeinen Informationsrecherche genutzt. Unser Modell beantwortete diese Anfragen anhand öffentlich zugänglicher Quellen. Die Anfragen betrafen unter anderem folgende Themen:

  • Standorte von US-Bundesbehörden, einschließlich ihrer Hauptsitze, sowie eine Rangliste der Bundesstaaten mit einer hohen Konzentration an Bundesbehörden und Amtspersonen.

  • Verteilung der Beschäftigten der US-Bundesverwaltung nach Bundesstaat.

  • Personen aus den USA, etwa aus dem Moderationsteam von Voice of America, einschließlich ihrer bisherigen Interviews und Interessengebiete.

  • Onlineforen und Websites, die von Fachkräften und Arbeitssuchenden im US-Wirtschafts- und Finanzsektor häufig genutzt werden.

Auffällig war, dass über ein Konto eine Anleitung zum Herunterladen und Installieren von FaceFusion auf dem eigenen Computer angefragt wurde. FaceFusion ist eine Plattform zur Manipulation von Gesichtern, die Face-Swapping und weitere Funktionen zur Medienverbesserung bietet. In den ChatGPT‑Interaktionen wurde ausdrücklich die Absicht beschrieben, die Live-Face-Swap-Funktion zu nutzen. Die Person hinter dem Konto bat um eine schrittweise Installationsanleitung ohne Fachsprache. Sie gab an, gerade erst mit dem Programmieren begonnen zu haben, weshalb die Anleitung einfach sein müsse. Zur Unterstützung bei der Installation lud sie einen Screenshot der Hardware-Spezifikationen ihres Computers hoch. Das Modell antwortete mit Informationen aus der öffentlich zugänglichen Website und Dokumentation von FaceFusion.

Ergebnisse

Die Anweisungen zur Erstellung von E-Mail-Entwürfen mit unseren Modellen ähnelten eher einem Social-Engineering-Leitfaden⁠(wird in einem neuen Fenster geöffnet) für die Kontaktaufnahme durch einen ausländischen Nachrichtendienst als gewöhnlichen Nachrichten zur Personalgewinnung. Für jeden E-Mail-Entwurf verlangten die Verantwortlichen folgende Abschnitte:

Seriosität vermitteln: Sie stellten „Nimbus Hub“ als professionelle Strategieberatung mit maßgeblicher Expertise in Geopolitik und transnationaler Politik dar. Sie fügten einen Link zur Website von Nimbus Hub hinzu (siehe Screenshot unten).

Die Zielperson individuell ansprechen und ihr schmeicheln: Sie wiesen das Modell an, ausdrücklich auf die Erfahrung der angeschriebenen Person im öffentlichen Dienst zu verweisen. Diese sollte als Beleg dafür dienen, dass die Person genau zur angebotenen Tätigkeit passte. In einem Fall wurden über ein Konto Screenshots des LinkedIn-Profils einer in Shanghai ansässigen Person aus den USA hochgeladen. Das Modell sollte den E-Mail-Entwurf anhand der darin enthaltenen Angaben zu den persönlichen Erfahrungen und zum Hintergrund dieser Person individuell anpassen.

Mehrere Anreize kombinieren: Die Beratungstätigkeit wurde meist als lukrative Online-Verdienstmöglichkeit mit Leistungsprämien und Empfehlungsboni angepriesen. Die Angaben zur eigentlichen Arbeit blieben dabei vage.

Beruhigend formulieren und wahrgenommene Risiken verringern: Häufig behaupteten die Verantwortlichen, die Arbeit sei entspannt, werde pünktlich bezahlt und sei vertraulich.

Die Kommunikation schnell auf andere Plattformen verlagern: Die Verantwortlichen versuchten stets, die angeschriebenen Personen von der E-Mail-Kommunikation zu einem ersten Videogespräch über WhatsApp, Zoom oder Teams zu bewegen.

Screenshot der Startseite von Nimbus Hub Consulting. Die Website ist nicht mehr online, wurde aber archiviert.

Screenshot der Startseite von Nimbus Hub Consulting. Die Website ist nicht mehr online, wurde aber archiviert.

Auswirkungen

Die Interaktionen der Netzwerke mit den Modellen waren in diesem Fall technisch wenig anspruchsvoll. Ihre Anfragen wirkten teilweise wie plausible Bitten um das Verfassen von Nachrichten zur Personalgewinnung oder um Hilfe bei einer legitimen Softwareinstallation. Die Taktik, sich hinter einer erfundenen Unternehmensidentität zu verbergen, und das Interesse an geopolitischen Themen deuten jedoch auf eine mögliche Absicht hin, Personen für feindliche Zwecke anzuwerben.

Aus der Nutzung von ChatGPT durch diese Konten ergaben sich keine Hinweise darauf, dass die angeschriebenen Zielpersonen tatsächlich auf die Einladungen geantwortet hatten. Wir konnten nicht unabhängig feststellen, ob die Einladungen tatsächlich per E-Mail versendet wurden oder ob angeschriebene Zielpersonen darauf antworteten.

Mehrere demokratische Regierungen (etwa der USA⁠(wird in einem neuen Fenster geöffnet), des Vereinigten Königreichs⁠(wird in einem neuen Fenster geöffnet) und Australiens⁠(wird in einem neuen Fenster geöffnet)) haben davor gewarnt, dass ausländische Nachrichtendienste gezielt aktuelle und ehemalige Regierungsbeschäftigte anwerben. Dazu geben sie sich in sozialen Netzwerken und auf beruflichen Netzwerkplattformen als Beratungsunternehmen oder andere Organisationen aus. Es kann schwierig sein, gewöhnliche Nachrichten zur Personalgewinnung von diesen gezielten Social-Engineering-Versuchen zu unterscheiden, da sie einige gemeinsame Merkmale aufweisen. Seriöse Kontaktaufnahmen sind jedoch in der Regel auf längere Auswahlverfahren ausgelegt. Sie enthalten überprüfbare Angaben zur Stellenbezeichnung, glaubwürdige Informationen zum Unternehmen, marktübliche Gehaltsspannen und Links zu echten Stellenanzeigen. Kurz gesagt: Wenn etwas zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es das wahrscheinlich auch.